Was ist ein Glaukom?

Als Glaukom (auch grüner Star genannt) bezeichnet man eine Reihe von Augenerkrankungen, die den Sehnerv schädigen und letztlich das Sehvermögen beeinträchtigen können. Der Hauptrisikofaktor, der behandelt werden kann, ist ein erhöhter Augeninndendruck. Jedoch wird heute das Glaukom nicht nur als reine „Druckerkrankung“, sondern als eine multifaktorielle Erkrankung verstanden. Die zwei wichtigsten Risikofaktoren für ein Glaukom sind ein erhöhter Augeninndendruck und eine Abweichung von der normalen Durchblutung des Sehnervs und der Retina. Beide Faktoren können nur in einer augenärztlichen Untersuchung beurteilt werden!

Danenben gibt es eine Reihe von weiteren Glaukom-Risikofaktoren, wie z. B.:

  • Alter:
    Ältere Menschen erkranken häufiger als junge.
  • Genetische Belastung:
    Glaukom-Erkrankungen in der Familie erhöhen das Risiko.
  • Höhere Kurzsichtigkeit (Myopie):
    Kurzsichtige ab minus 5 Dioptrien haben ein höheres Glaukom-Risiko
  • Hornhautdicke:
    Eine zu dünne, aber auch eine zu kräftige Hornhaut können die Messung des Augeninnendrucks verfälschen.
  • Migräne und Schlaf-Apnoe-Syndrom (Schnarchen):
    Diese Leiden deuten häufig auf eine Glaukom-Erkrankung hin.
  • Grunderkrankungen wie z. B. Arteriosklerose, Diabetes mellitus, erhöhter oder zu niedriger Blutdruck.

Glaukom und Augeninnendruck

Der Augeninnendruck kommt über die Produktion und den Abfluss des sogenannten Kammerwassers zustande. Dies wird im Ziliarkörper gebildet. Ein Teil des Kammerwassers wird in den Glaskörper abgegeben. Der größere Teil fließt aus der hinteren Augenkammer in die vordere Augenkammer und schließlich durch den Schlemmschen Kanal ab.

Für einen stabilen und gesunden Augeninnendruck ist es wichtig, dass gleich viel Kammerwasser abfließen kann wie gebildet wird. Bei der häufigsten Glaukom-Form (dem Offenwinkelglaukom) ist der Abfluss des Kammerwassers aus dem Auge gestört. Dadurch steigt der Druck am Auge an.

Welche Aufgaben hat das Kammerwasser?

Das Kammerwasser hat zwei wichtige Funktionen: zum einen dient es der Versorgung der nicht durchbluteten inneren Strukturen des Auges (z. B. Linse, Hornhaut).

Die zweite wichtige Funktion des Kammerwassers ist das Gleichgewicht zwischen Kammerwasserproduktion und Kammerwasserabfluss. So entsteht im Augeninnendruck ein Druck, der sogenannte Augeninnendruck. Ist der Abfluss des Kammerwassers gestört, steigt der Druck im Auge stetig an und kann in der Folge den Sehnerv schädigen. In diesem Fall ist eine Therapie angezeigt.

Darstellung Augeninnendruck

Ein Offenwinkelglaukom entsteht meist, wenn der Abfluss des Kammerwassers gestört ist und sich deshalb der Augeninnendruck erhöht. Durch den erhöhten Augeninnendruck wird der Sehnerv geschädigt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Für die Behandlung des Glaukoms gibt es derzeit eine Reihe von Behandlungsformen.

Erstes Ziel der Behandlung ist immer die Senkung des erhöhten Augeninndendrucks.

Die häufigste Behandlung für das primäre Offenwinkelglaukom ist die Verwendung von drucksenkenden Augentropfen. Schon seit vielen Jahren kommen auch unterschiedliche Laserverfahren zur Anwendung. Bei geringer Wirksamkeit oder Unverträglichkeit von Augentropfen sowie der Laserbehandlung kommen chirurgische Verfahren zur Anwendung. Diese umfasse unter anderem die Trabekulektomie, Viskokanaloplastik, aber auch Drainage-Implantate, wie das im folgenden Text beschriebe XEN-Implantat.

Die häufigste Ursache für ein Versagen der chirurgischen Therapie ist die Blockade das Abflusses durch Vernarbungsprozesse an der Operationsstelle. Der Augeninnendruck kann dadurch nicht mehr auf den erwarteten, niedrigen Wert gesenkt werden. Es können sich aber auch unerwünschte Komplikationen bei der Operation oder nach der Operation ergeben, wie zum Beispiel Blutungen, ein zu niedriger Augeninnendruck, eine flache Vorderkammer oder Veränderungen der Sehschärfe.

Jeder Patient wird vor Behandlungsbeginn über die Wirkungen, mögliche unerwünschte Wirkungen und Nebenwirkungen der verwendeten Medikameten sowie das Risiko von Komplikationen diverser chirurgischen Maßnahmen aufgeklärt.

Wie funktionert das XEN-Gel-Implantat?

Das XEN-Gel-Implantat ist ein Medizinprodukt für die Behandlung des primären Offenwinkelglaukoms. Es handelt sich dabei um ein kleines Röhrchen, das zwischen der vorderen Augenkammer und der Bindehaut implantiert wird. Über dieses Röhrchen fließt überschüssiges Kammerwasser aus der vorderen Augenkammer ab und bewirkt damit eine Senkung des Augeninnendrucks.

XEN-Gel-Implant implantiert

Durch das XEN-Gel-Implantat wird das Kammerwasser von der Vorderkammer unter die Bindehaut geführt, wo es durch Blut und Lymphgefäße abtransportiert wird.

Worin liegt der Nutzen einer Operation mit dem XEN-Gel-Implantat?

Das XEN-Gel-Implanat wurde so entwickelt, dass es als mikroskopisches Leitungssystem funktioniert, um die im Auge produzierte überschüssige Flüssigkeit abzuleiten.

Das XEN-Gel-Implantat besteht aus vernetzter Gelatine, die in der Regel vom Augengewebe gut angenommen wird. Die Gelatine hat die besondere Eigenschaft, sich bei Kontakt mit wässrigem Material auszudehnen. Wenn das XEN-Gel-Implantat ins Auge eingesetzt wird, dehnt sich der Außendurchmesser des Implantats aus. Diese Ausdehnung des Außendurchmessers des Implantats trägt dazu bei, dass dieses nach der chirurgischen Implantation an seiner beabsichtigten Position bleibt.

Der besondere Operationsansatz von innen kommend (ab interno) ist wenig invasiv. Die natürliche Drainagekanäle in der Bindehaut bleiben. Durch Minimierung von Bindehautschäden bleibt die Möglichkeit eines erneuerten Glaukom-Eingriffs in der Regel erhalten.

Ziel der XEN-Gel-Implantation ist es, den Krankheitsverlauf Ihres primären Offenwinkelglaukoms zu verbessern oder sogar zu stoppen. Durch den neuen Kammerwasserabfluss wird der Augeninnendruck gesenkt und so die durch den erhöhten Augeninnendruck verursachte Schädigung Ihres Sehnervs verringert. Auch kann die Anzahl der den Augeninnendruck senkenden Medikamente, die Sie gegenwärtig einnehmen, reduziert werden oder sogar entfallen.

Gibt es Risiken und Begleiterscheinungen?

Jedes Verfahren ist mit möglichen Risiken verbunden. Da das Implantationsverfahren vom Konzept her weniger traumatisch (verletzend) ist, kommt es in der Regel nur zu minimalen Schädigungen von Augenstrukturen.

Wenn bei Ihnen das Mikroimplantat zusammen mit einer Linsenoperation eingesetzt wird, dann gibt es den Vorteil einer einzigen Operation mit nur einer Betäubung. In diesem Fall werden Sie über die Risiken des Implantats und über die Risiken der Linsenoperation getrennt aufgeklärt.

Jedoch können während des Verfahrens oder danach wie bei allen operativen Eingriffen Komplikationen eintreten. Mögliche Komplikationen sind unter anderem vorübergehende und kleinere Nebenwirkungen sowie auch die Sehfähigkeit beeinträchtigende Auswirkungen. Dies könnte möglicherweise folgendes umfassen: verfahrensbedingte Beschwerden, Ansteigen oder Sinken des Augeninnendrucks, Entzündungen des Auges, Einblutungen in das Auge, Sehkraftverlust, Verletzungen oder Durchdringen der oberflächlichen weißen Bindehaut, Schädigung der Hornhaut oder Katarakt (eine Trübung der Augenlinse). Das Implantat selbst könnte eine allergische Reaktion hervorrufen oder sich aus der vorgesehenen Lage heraus verschieben.

Zusätzliche Einnahme von Arzeimitteln?

Medikamente, die Sie normalerweise einnehmen, können Sie auch weiterhin einnehmen. Es kann jedoch sein, dass die Medikation für die Senkung des Augeninnendrucks angepasst wird.