Trockenes Auge

Trockenes Auge / (Kerato)Konjunktivitis Sicca / Sicca-Syndrom

Das „Trockene Auge“ ist verbunden mit einer Symptomatik, die zumeist sehr anstrengend und lebensverändernd sein kann. Hinzu kommt häufig das Missverständnis zwischen Arzt und Patient, dass es sich hierbei nicht um eine im eigentlichen Sinne „Erkrankung“ handelt, sondern vielmehr um eine Störung, welche zumeist nicht medikamentös oder operativ behandelt werden kann.

Ebenso ist eine schnelle Linderung, wie bei einer Entzündung mit vergleichbaren Symptomen, oftmals nicht möglich. Eine dauerhafte Regeneration kann Monate und Jahre in Anspruch nehmen und funktioniert auch nur, wenn man die eigentliche Ursache des Problems, den reduzierten Fettgehalt des Tränenfilms, versucht zu beseitigen.

Aufbau des Tränenfilms

Eine Schicht aus verschiedenen Zellen bildet die Binde- und Hornhaut in unserem Auge. Diese Hauptbestandteile des vorderen Augenabschnitts werden überzogen von einer sehr dünnen Schicht aus Flüssigkeit, dem Tränenfilm. Dieser dient den verschiedenen Häuten als Schutz, sowie zur Ernährung. Zusätzlich hat der Tränenfilm einen reinigenden Effekt, vergleichbar mit einem Scheibenwischer beim Auto.

Zusammensetzung des Tränenfilms

  1. Wässrige Schicht: Sie besteht aus Wasser, in dem Salze gelöst sind, und wird von der Tränendrüse produziert.
  2. Muzinschicht: Sie besteht aus einem schleimigen Sekret und wird von einzelligen Schleimdrüsen (Becherzellen) der Bindehaut produziert.
  3. Fettschicht: Der Fettfilm entsteht aus dem öligen Sekret der sog. Meibom’schen Drüsen im Lidrand.

Struktur Tränenfilm

Anatomie der Tränenwege

Der natürliche Lidschlag (Zwinkern) sorgt für eine immerwährende Erneuerung des Tränenfilms. Insgesamt wird dieser Prozess bis zu 15 mal in der Minute vollzogen. Die dabei verbrauchte Tränenflüssigkeit fließt durch 2 kleine Öffnungen innen am Ober- und Unterlid (Tränenpünktchen) durch ein Kanalsystem (Tränennasengang) in die Nase ab und wird resorbiert.

Aufgaben des Tränenfilms

Der Tränenfilm hat 3 wesentliche Aufgaben:

  1. Abwehrfunktion: Das Auge ist dauerhaft äußeren Einflüssen wie Keimen, Bakterien und Viren, Pollen, Staub und Weiterem ausgesetzt. Hierbei sorgt der Tränenfilm dafür, dass diese Stoffe abgefangen und neutralisiert werden. Ein funktionierender Tränenfilm ist somit elementar wichtig, um Entzündung vom Auge fernzuhalten.
  2. Lichtbrechung: Je besser der Tränenfilm funktioniert und in seiner Konsistenz vorhanden ist, desto besser wird das einfallende Licht gebrochen und auf der Netzhaut abgebildet. Somit ist die Qualität des Sehens in großen Teilen auch von der Qualität des Tränenfilms abhängig.
  3. Befeuchtung und Ernährung: Der Tränenfilm sorgt dafür, dass die Hornhaut nicht austrocknet und die äußerste Augenoberfläche nicht durch die Reibung des Lids auf Hornhaut und Bindehaut gereizt wird. Ebenso befinden sich im Tränenfilm Nährstoffe für die Augenoberfläche, ohne die die Hornhaut unterversorgt und schlussendlich ihre Transparenz verlieren würde.

Was ist ein „Trockenes Auge“?

Von einem Trockenen Auge, fachspezifisch Sicca-Syndrom genannt, spricht man, wenn eine Störung der Benetzung der Augenoberfläche vorliegt.

Warum bekommt man ein „Trockenes Auge“?

Der häufigste Auslöser für ein trockenes Auge ist die altersbedingte Rückbildung bzw. Unterfunktion der Lipiddrüsen. Hierbei spielen sekundär auch Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis und andere Allgemeinerkrankungen, die auch die Lipiddrüse mit einbeziehen, eine Rolle. Ebenso können Medikamente die Lipidproduktion vermindern. Bei Frauen ist häufig die hormonelle Umstellung nach den Wechseljahren ein zu nennender Auslöser.

In seltenen Ausnahmefällen kann es auch zu einer zu geringen Produktion von natürlichen Tränen im Allgemeinen kommen, wobei dies eine Seltenheit darstellt.

Darüber hinaus sind äußere Einflüsse, wie Allergene und Staubpartikel, Abgase und UV-Strahlung als Auslöser zu nennen.

Immer führt ein trockenes Auge zu einem Missempfinden in Form von juckenden, brennenden und tränenden Beschwerden. Zudem geht zumeist eine Rötung des Auges mit einher. Die Beschwerden ähneln der Symptomatik einer Entzündung, sind aber durch den Augenarzt eindeutig zu unterscheiden.

Skizze Lipidmangel im Auge

Wie wird das „Trockene Auge“ behandelt?

Das Trockene Auge ist eine chronische Dysfunktion. Man kann es nicht ein für alle Mal „wegbehandeln“. Der Behandlungseffekt ist nur gewährleistet, solange die Behandlung andauert. Als Ziel sollte die Behandlung eine Verbesserung der Symptomatik haben. Eine vollkommene „Heilung“ kann nicht erreicht werden, vergleichbar mit der zu trockenen Haut, die auch fortwährend gepflegt werden muss.

Üblicherweise übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung des trockenen Auges nicht. Angeratene Mittel fallen unter den Oberbegriff „Tränenersatzmittel“ und sind daher in Deutschland nicht rezeptpflichtig.

Behandlung

Als einzig wirkungsvolles Prinzip gilt heute die manuelle Zuführung von Fett, um den Lipidmangel zu beseitigen. Da Fett nicht wasserlöslich ist, kommen daher nur Augensalben und / oder Augensprays mit Lipid als Inhaltsstoff in Frage. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass keine Konservierungsmittel enthalten sind, da diese wiederum zu Allergien o. ä. beitragen können.

Zusätzlich sollte eine Lidrandpflege angewandt werden, damit die im Lid befindlichen Drüsen nicht weitergehend von Viren oder Bakterien befallen werden und gleichzeitig ihrer eigentlichen Arbeit, der Lipidproduktion, uneingeschränkt nachkommen können. Hier sind Lid-Pads ohne Konservierungsmittel als Favorit zu nennen.

Alle weiteren Produkte, die oftmals von Ärzten oder Apothekern angeraten werden, sind zumeist wirkungslos. Hierbei sind vor allem Tränenersatzmittel in Tropfenform zu nennen. Da aber der Wassergehalt nicht das Problem ist, nützen Tropfen (welche ja auf Wasser basieren) dem Patienten nichts. Auch chirurgische Eingriffe, das etwaige Tragen von speziellen Kontaktlinsen o. ä., sind nicht zielführend und wissenschaftlich nicht belegbar. Zumeist verschlimmern sich die Beschwerden im Anschluss nur um ein Vielfaches.

Was kann man selbst noch tun?

Der Patient hat nur sehr eingeschränkten Einfluss auf die Entstehung des trockenen Auges. In Zeiten, in denen viele Menschen oftmals am PC arbeiten oder klimatisierten Räumlichkeiten ausgesetzt sind, ist die Entstehung kaum zu verhindern. Ebenso sind wir der Natur, die zunehmend durch Pestizide und Abgase belastet ist, ausgesetzt.

Eine grundlegend gute und ausgewogene Ernährung hilft auch den angesprochenen Liddrüsen, um lange Zeit gut zu funktionieren. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sind darüber hinaus angeraten, damit man eine milde Pflege schon bei den ersten Anzeichen des trockenen Auges ansetzen und beginnen kann.

Der Grundsatz lautet: Je früher das trockene Auge behandelt wird, desto weniger schlimm sind die Symptome, die mit diesem einhergehen können.